Klaus Valter - Ehrenvorsitzender des SV 1911 Traisa

(geschrieben im Jahr 2002; gekürzt und überarbeitet von Karin Muth im Jahr 2012)

 
 

In einer weiteren Folge der kleinen Serie “langjährige und verdiente Mitglieder des SV 1911 Traisa“ möchte ich heute mit Klaus Valter einen im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Personen “jüngeren“ Mann vorstellen, der jedoch über viele Jahre Akzente in unserem Verein gesetzt hat.

Klaus Valter wurde am 02. Januar 1937 als einziges Kind seiner Eltern Meta und Christoph Valter in Darmstadt geboren, die Familie wohnte in der Heinheimerstraße, fast in der Höhe des Rhönrings.

Klaus Valter 1992

In den schlimmen Tagen des 2. Weltkrieges wurde er   von seinen Eltern sicherheitshalber zu Bekannten zunächst nach Neunkirchen im Saarland und dann nach Zwingenberg gegeben. Im Jahr 1944 wurde die Darmstädter Wohnung jedoch durch Bombenangriffe unbewohnbar und so zog es die Valters nach Traisa. Dies war der Heimatort von Klaus´ Vater.

Mit bis zu 18 Kindern sowie den entsprechenden Elternpaaren, so erinnert er sich, habe man dann über lange Zeit im Wohnhaus in der "Ochsengasse" nahe der Turnhalle bei Verwandten gewohnt.

Im Jahr 1946 wurde Klaus Valter Mitglied im Sportverein 1911 Traisa und spielte fortan über acht Jahre in den Jugendmannschaften Fußball. Noch gerne denkt er an diese Zeit zurück, an die Spiele auf dem alten Sportplatz ( auf dem sich heute der Kiefernweg und seine Wohnhäuser befinden ).

Eine Umkleidekabine habe es dort nicht gegeben, man kam zumeist schon „bestollt“ von zu Hause auf den Sportplatz. Geduscht wurde nach dem Spiel entweder wieder zu Hause, gar nicht oder mehr schlecht als recht unter der provisorischen Dusche am Sportgelände, mit Durchlauferhitzer und Münzeinwurf. Ein “Muss“ war nach jedem Spiel der Besuch des Vereinsheim beim Monne-Heiner in der Ochsengasse. Ob Sieg, ob Niederlage - meist spendierte dieser den Fußballjungs einen ganzen Ring Fleischwurst. Dies war aber nicht allein der Grund, so Klaus Valter, dass man damals bereits montags wieder dem nächsten Fußballwochenende entgegenfieberte.

Nach der Schulzeit in Traisa begann er im Jahr 1952 seine Lehre als Werkzeugmacher bei Firma Riegler in Nieder-Ramstadt, wo er auch heute als technischer Angestellter für den Versandbereich zuständig ist. Seit vielen Jahren ist er zudem Betriebsratsvorsitzender,

1952-1992, jawohl, richtig gerechnet - Klaus Valter feiert in diesen Tagen sein 40jähriges Dienstjubiläum, wozu wir ihm alle von Herzen gratulieren möchten.

Doch zurück zur aktiven Fußballzeit. Nach einer sportmedizinischen Untersuchung durfte er bereits mit 17 Jahren im Seniorenbereich eingesetzt werden. Wie auch in der Jugend, so spielte er bei den Senioren auf fast allen Spielpositionen. Neben dem sportlichen Bereich wurde der gesellige Teil des Vereinslebens groß geschrieben. So standen bei Hochzeiten die Mitglieder zahlreich Spalier, Bilder in seiner umfangreichen Photosammlung geben davon Zeugnis.

“Ach, ja“ und “Oh, lieber Gott“ rutschte es ihm beim Betrachten der Bilder in meinem Beisein während der Unterhaltung so manches Mal aus dem Mund, es sei schon eine sehr schöne Zeit gewesen.

1957 startete der 5V 1911 seine erste Urlaubsfahrt nach Schleching In den Chiemgau.

Klaus Valter war auch im Jahr 1957 dabei, als es mit drei vollbesetzten Bussen diesmal nach Weißbriach in Kärnten/Österreich ging. Dies sei für die meisten der Reiseteilnehmer der erste Auslandsaufenthalt überhaupt gewesen,

Im Jahr 1959 feierte er mit seiner Frau Rosemarie Hochzeit in der evangelischen Kirche in Traisa.

1967 beendete er seine Zeit als aktiver Seniorenfußballer und spielte dann noch zwei  Jahre bei den "Alten Herren" mit.

Doch blieb Klaus Valter für den Sportverein 1911 Traisa keinesfalls untätig, denn zu dieser Zeit war er bereits 1. Vorsitzender des Vereins. Doch beginnen wir mit seiner Vorstandstätigkeit von vorne

Schon ab seinem 18. Lebensjahr war er im Vorstand des SV 1911 tätig. Er wurde zum Beisitzer, Zeugwart, Protokollführer und schließlich im Jahr 1966 zum 1. Vorsitzenden gewählt. Volle Aktenordner mit sämtlichen Zeitungsberichten über den SV 1911 Traisa aus Klaus Valters Amtszeit zeugen vom regen Vereinsleben. Unter ihm erlebte die 1. Fußballmannschaft ihren sportlichen Höhepunkt durch den Aufstieg in die A-Klasse und schließlich in die Bezirksklasse im Jahr 1969.

Ein Jahr zuvor stand die Installierung der Flutlichtanlage am Sportplatz, unter seiner Regie - es sei im Übrigen die erste Anlage  dieser Art im ganzen Kreis Darmstadt gewesen.

Gleichfalls stand in dieser Zeit die erste Altpapiersammlung des SV 1911 Traisa an, die über viele Jahre hinweg neben dem Recyclingeffekt noch wertvolle finanzielle Zuschüsse für die Vereinskasse erbrachte. Nach einer Vorstandskrise im Oktober 1971 ( ja, auch die "gute, alte Zeit" blieb von Krisen nicht verschont ) raufte Klaus VaIter seine Mannen zusammen und führte den Verein bis ins Jahr 1981.

Nach dem Aufstieg der Fußballer kam 1972 wieder der Abstieg, doch sehenswerter Fußball wurde weiterhin in Traisa geboten

Dazu trugen auch diverse Gast- und Prominentenauswahlspiele bei, die Klaus Valter als Vereinsvorsitzender ankündigen durfte. Neben dem SV 98 Darmstadt und den Offenbacher Kickers gastierten eine Presseauswahl ( u. a. mit Ex-Boxeuropameister Karl Miltenberger ), sowie die Prominentenauswahl des Hessischen Rundfunks ( u.a. mit Willibald Kress, Dieter Lindner, Conny Rudhoff, Heinz Baas und den Moderatoren Wolfrath Kuhlins und Holger Obermann ) im Stadion „Am Roten Berg“. Die 70er Jahre standen auch ganz im Zeichen des Expandierens des Vereins.

Zum einen wurde 1973 die Abteilung Judo ins Leben gerufen. Dies hatte einen enormen Mitgliederzuwachs zur Folge, kurz darauf folgte mit der Gründung der Gymnastikabteilung ein weiteres festes Standbein des Vereins. 

Zum anderen begann der SV 1911 Traisa die weite Welt zu bereisen - Amerika, Fernost, Afrika, Australien, kein Land war dem Verein zu weit entfernt, um nicht besucht zu werden. Doch Klaus Valter blieb bei diesen Reisen immer daheim in Traisa zurück - eine panische Flugangst, wie er mir mit einem teils lächelndem und teils wehmütigen Blick verrät, hinderte ihn daran, seinen Verein im fernen Ausland zu vertreten.

Im letzten Jahr seiner ersten Vorstandsperiode ( er übernahm von 1987 - 1989 noch ein zweites Mal den Vereinsvorsitz, wonach er das Amt jedoch aus gesundheitlichen. Gründen niederlegen musste ) d.h. im Jahr 1981, führte er noch die Delegation des SV 1911 Traisa zur Verschwisterungsfeier nach Vingaker/Schweden.

Was der eine oder andere von Ihnen vielleicht noch nicht weiß: Durch rege menschliche und sportliche Kontakte des SV 1911 Traisa kam es überhaupt erst zu der Verschwisterung zischen Vingaker und Mühltal.

Klaus Valter ist, wie mein kleiner Überblick aufzeigen soll, ein Mann mit dankenswertem sozialem Engagement in Freizeit und Beruf. Darauf sind auch Verbände wie beispielsweise der Landessportbund und der Hessische Fußballverband aufmerksam geworden. Ihm wurde eine Vielzahl von Auszeichnungen zuteil.

Schließlich ernannte der Sportverein 1911 Traisa Klaus Valter 1981 zum Ehrenmitglied.

Aufgrund seiner Einstellung tat es ihm, so sagte er mir in einem Schlusswort, auch sehr leid, dass er seiner Gesundheit zuliebe die aktiven Vereinstätigkeiten in der vordersten Reihe aufgeben musste. Er sei mit dem Fußball und damit gleichbedeutend mit dem SV 1911 Traisa groß geworden. Trotz mancher Probleme und Hindernisse mochte er aber keinen Moment dieser Zeit vermissen.

Gute Verhältnisse zu seinen Vereinssportfreunden, seinen zahlreichen Vorstandsmitgliedern sowie zu den Gemeinde- und Landkreisvertretern hätten ihm geholfen, seine Aufgabe, die zwar nicht immer leicht gewesen sei, zu bewältigen.

Sein größter Dank so ließ mich Klaus Valter zu guter Letzt wissen, gilt aber seiner Ehefrau Rosemarie, die sein Vereinsengagement aufgrund ihrer eigenen Sportbegeisterung immer unterstützte und förderte.

 

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